Xing (ehemals openBC)
Was ist Xing?
Xing (Eigenschreibweise: XING) ist ein deutschsprachiges soziales Netzwerk für berufliche Kontakte, Karriereentwicklung und Unternehmenskommunikation. Die Plattform fungiert als digitales Pendant zu traditionellen Business-Netzwerken und ermöglicht es Mitgliedern, ihr berufliches Profil zu pflegen, sich mit Kollegen, Kunden und Geschäftspartnern zu vernetzen, Stellenangebote zu finden oder zu veröffentlichen und sich in fachspezifischen Gruppen auszutauschen.
Gegründet im November 2003 in Hamburg unter dem Namen openBC („Open Business Club“), erfolgte 2006 die Umbenennung in Xing (abgeleitet vom chinesischen Wort „Xing“ für „Erfolg“ oder „Glück“, ausgesprochen wie „Sing“). Im Gegensatz zum globalen Marktführer LinkedIn (gehört zu Microsoft), konzentriert sich Xing primär auf den DACH-Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) und hat hier teilweise eine höhere Marktdurchdringung, insbesondere im Mittelstand und bei lokalen Netzwerken.
Das Unternehmen ist börsennotiert (Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse) und gehört mehrheitlich zur New Work SE (früher Xing SE), zu der auch Plattformen wie Kununu (Arbeitgeberbewertungen) und Honeypot.io (Recruiting für Entwickler) gehören.
Kernfunktionen und Angebote
Xing bietet eine Vielzahl von Funktionen, die sich an private Nutzer, Recruiter und Unternehmen richten:
1. Das professionelle Profil
Das Herzstück ist das digitale Visitenkarten-Prinzip. Nutzer erstellen ein detailliertes Profil mit:
- Beruflichem Werdegang (Stationen, Aufgaben).
- Ausbildung und Qualifikationen.
- Fähigkeiten (Skills), die von anderen Mitgliedern bestätigt werden können.
- Referenzen und Empfehlungen.
- Medienbeispielen (Projekte, Publikationen).
2. Networking und Kontaktmanagement
Mitglieder können andere Nutzer als Kontakt hinzufügen („Vernetzen“). Das Netzwerk ist in Grade unterteilt:
- 1. Grad: Direkte Kontakte.
- 2. Grad: Kontakte der eigenen Kontakte.
- 3. Grad: Weitere entfernte Verbindungen. Xing legt großen Wert auf die Qualität der Kontakte und fördert den realen Austausch durch lokale Regionalgruppen und Stammtische, die von Mitgliedern selbst organisiert werden.
3. Jobs und Recruiting
Xing ist eine der führenden Jobbörsen im DACH-Raum.
- Für Bewerber: Zugriff auf tausende Stellenangebote, Möglichkeit zur Initiativbewerbung und Benachrichtigung bei passenden neuen Jobs („Job-Abo“).
- Für Arbeitgeber: Schaltung von Stellenanzeigen, aktive Suche im Lebenslauf-Datenbank („Talent Search“) und Employer-Branding-Maßnahmen durch Unternehmensprofile.
4. Gruppen und Wissenstransfer
Es gibt zehntausende Fachgruppen zu fast jedem erdenklichen Thema (von „Marketing“ bis „Zahnmedizin“). Hier diskutieren Mitglieder Trends, tauschen Wissen aus und suchen nach Lösungen für berufliche Probleme.
5. Events und Weiterbildung
Xing bietet einen umfangreichen Veranstaltungskalender für Webinare, Konferenzen und Workshops. Über die Tochterfirma Xing Events (ehemals Amacado) können Veranstalter ihre Events vermarkten und die Teilnehmerverwaltung abwickeln. Zudem gibt es Angebote für Online-Kurse und Weiterbildungen.
6. Premium-Mitgliedschaften
Während die Basis-Mitgliedschaft kostenlos ist, bietet Xing kostenpflichtige Accounts (Premium und Premium Recruiter):
- Erweiterte Suchfilter für Kontakte und Jobs.
- Einblick, wer das eigene Profil besucht hat.
- Möglichkeit, Nachrichten an alle Mitglieder zu senden (auch ohne direkte Vernetzung).
- Hervorgehobene Darstellung des Profils in Suchergebnissen.
Xing vs. LinkedIn: Die Unterschiede
Obwohl beide Plattformen ähnliche Ziele verfolgen, gibt es charakteristische Unterschiede:
Geschäftsmodell
Xing finanziert sich hauptsächlich durch drei Säulen:
- Talent & Solutions (Recruiting): Der größte Umsatztreiber. Unternehmen zahlen für Stellenanzeigen, den Zugriff auf die Lebenslaufdatenbank und Recruiting-Tools.
- Marketing Solutions: Unternehmen schalten Werbung, betreiben Employer-Branding-Seiten oder sponsern Inhalte, um Zielgruppen anzusprechen.
- Mitgliedschaften: Einnahmen durch Premium-Abonnements von privaten Nutzern und Recruitern.
Kritik und Herausforderungen
- Internationalität: Für Nutzer, die außerhalb des DACH-Raums Kontakte knüpfen wollen, ist Xing oft weniger relevant. Hier führt kein Weg an LinkedIn vorbei.
- „Spam“-Anfragen: Wie bei LinkedIn nehmen auch bei Xing automatisierte Verkaufsanfragen und unseriöse Kontaktversuche zu.
- Aktivität: Der News-Feed auf Xing wird von vielen Nutzern als weniger aktiv und informativ empfunden als der von LinkedIn, was dazu führt, dass manche Nutzer Xing nur als „digitale Visitenkarte“ pflegen, aber selten aktiv posten.
Fazit
Xing ist die unangefochtene Nummer eins für berufliche Netzwerke im deutschsprachigen Raum. Für jeden Berufstätigen, Unternehmer oder Jobsuchenden in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist ein gepflegtes Xing-Profil heute quasi Pflicht. Die Stärke von Xing liegt in seiner regionalen Verankerung, dem hohen Datenschutzstandard und der Förderung von echten, persönlichen Geschäftsbeziehungen. Obwohl LinkedIn global dominanter ist, behauptet sich Xing im DACH-Raum erfolgreich als unverzichtbare Plattform für die lokale Wirtschaft. Die Kombination aus Online-Netzwerk und Offline-Events macht es zu einem einzigartigen Instrument für das moderne Berufsleben in Mitteleuropa.