WYSIWYP (What You See Is What You Print)
Was ist WYSIWYP?
WYSIWYP ist ein Akronym für den englischen Satz „What You See Is What You Print“ (deutsch: „Was du siehst, ist das, was du druckst“).
Der Begriff beschreibt eine Eigenschaft von Software (meist Textverarbeitungs- oder Layoutprogrammen), bei der die Darstellung des Dokuments auf dem Bildschirm pixelgenau mit dem späteren Ausdruck auf dem Papier übereinstimmt.
Obwohl der Begriff oft synonym mit WYSIWYG (What You See Is What You Get) verwendet wird, gibt es einen feinen, aber wichtigen technischen Unterschied:
- WYSIWYG bezieht sich allgemein auf die Übereinstimmung zwischen Bildschirm und dem digitalen Endformat (was auf dem Monitor zu sehen ist, ist das, was gespeichert oder als PDF exportiert wird).
- WYSIWYP ist spezifischer und garantiert, dass das, was auf dem Monitor zu sehen ist, exakt so auf dem physischen Papier erscheint.
In der modernen Softwarewelt ist WYSIWYP oft eine Teilmenge oder ein spezifisches Qualitätsmerkmal von WYSIWYG-Systemen. Da Monitore und Drucker jedoch unterschiedlich funktionieren (Licht vs. Tinte, RGB vs. CMYK), ist eine 100%ige WYSIWYP-Übereinstimmung technisch anspruchsvoll.
Das technische Problem: Warum ist WYSIWYP schwierig?
Die Diskrepanz zwischen Bildschirm und Druck war jahrzehntelang ein großes Problem in der Computertechnik. Die Herausforderungen liegen in den fundamentalen Unterschieden der Ausgabemedien:
1. Farbmodelle (RGB vs. CMYK)
- Monitor: Arbeitet im RGB-Modus (Rot, Grün, Blau). Farben entstehen durch additives Licht. Der Farbraum ist sehr groß und leuchtend.
- Drucker: Arbeitet meist im CMYK-Modus (Cyan, Magenta, Yellow, Key/Black). Farben entstehen durch subtraktive Mischung von Tinte auf Papier. Der darstellbare Farbraum ist kleiner.
- Das Problem: Ein leuchtendes Neon-Grün auf dem Bildschirm kann mit herkömmlicher Druckertinte physikalisch nicht exakt reproduziert werden. Ein echtes WYSIWYP-System muss diese Farben intelligent umrechnen („Color Management“), damit der Ausdruck nicht stumpf oder verfälscht wirkt.
2. Auflösung (DPI vs. PPI)
- Monitor: Hat eine relativ geringe Auflösung, typischerweise zwischen 72 und 150 Pixel pro Zoll (PPI).
- Drucker: Arbeiten mit einer viel höheren Auflösung, meist 300 bis 2400 Punkte pro Zoll (DPI).
- Das Problem: Ein Bild, das auf dem Monitor scharf aussieht, kann im Druck pixelig („verwaschen“) wirken, wenn es nicht hoch genug aufgelöst ist. Ein WYSIWYP-System muss dem Nutzer anzeigen, ob die Bildqualität für den Druck ausreicht.
3. Seitenränder und Papierformate
Auf dem Monitor wird oft in einem endlosen Canvas gearbeitet. Der Drucker ist jedoch durch das physische Papier (A4, Letter) und den nicht bedruckbaren Randbereich des Druckwerks begrenzt. WYSIWYP-Software muss diese Grenzen auf dem Bildschirm simulieren (z. B. durch gestrichelte Linien), damit der Nutzer nicht versehentlich Text in den „nicht druckbaren Bereich“ platziert.
Geschichte und Bedeutung
In den frühen Tagen der PC-Nutzung (vor 1985) gab es kein WYSIWYP. Nutzer schrieben Text in Kommandozeilen-Editoren, und das Layout ergab sich erst nach dem Druck – oft mit überraschenden Ergebnissen (falsche Umbrüche, fehlende Zeichen).
Der Durchbruch kam mit dem Desktop Publishing (DTP):
- Apple LaserWriter (1985): Einer der ersten Laserdrucker für den Massenmarkt.
- PageMaker & PostScript: Die Software PageMaker von Aldus (später Adobe) in Kombination mit der Seitenbeschreibungssprache PostScript von Adobe ermöglichte erstmals, dass das Layout auf dem Macintosh-Bildschirm fast exakt dem Druckergebnis entsprach. Dies war die Geburtsstunde des modernen WYSIWYP.
Heute ist WYSIWYP in Programmen wie Microsoft Word, Adobe InDesign, LibreOffice oder Apple Pages Standard. Nutzer gehen davon aus, dass der Ausdruck dem Bildschirmbild entspricht.
WYSIWYG vs. WYSIWYP im Web-Kontext
Im Bereich der Webentwicklung ist der Begriff WYSIWYP fast bedeutungslos geworden, und zwar aus einem einfachen Grund: Das Web wird nicht gedruckt.
- Webseiten sind dynamisch, flüssig und passen sich an verschiedene Bildschirmgrößen an (Responsive Design).
- Es gibt kein festes „Papierformat“ im Web.
- Wenn eine Webseite gedruckt wird, greift der Browser auf spezielle Druck-CSS-Stylesheets (
@media print) zurück. Diese definieren, wie die Seite auf Papier aussehen soll (z. B. Ausblenden von Navigation, schwarzer Text auf weißem Grund statt dunkler Hintergründe zum Tintensparen). - Was der Nutzer auf dem Bildschirm sieht (das Web-Design), ist also oft bewusst anders als das, was gedruckt wird. In diesem Kontext wäre WYSIWYP sogar unerwünscht.
Hier gilt eher: WYSIWYG für den Bildschirm, und ein separates Print-Layout für das Papier.
Anwendungsbereiche, in denen WYSIWYP kritisch ist
Es gibt Bereiche, in denen die WYSIWYP-Genauigkeit unverzichtbar ist:
- Professioneller Druck (Prepress): Bei Broschüren, Magazinen und Verpackungen müssen Farben exakt stimmen (Corporate Identity). Hier nutzen Profis Software wie Adobe InDesign mit kalibrierten Monitoren und Farbprofilen (ICC-Profile), um echtes WYSIWYP zu gewährleisten.
- Rechtliche Dokumente: Verträge oder Formulare müssen genau so aussehen wie vorgesehen; Umbrüche dürfen nicht verrutschen.
- Fotobücher: Nutzer wollen sicher sein, dass die Farben der Fotos im gedruckten Buch nicht enttäuschen.
- Etikettendruck: Beim Druck von Adressaufklebern muss das Layout millimetergenau stimmen, damit der Text nicht über den Rand des Aufklebers läuft.
Fazit
WYSIWYP ist das Versprechen der Druckgenauigkeit. Während es in den 80er und 90er Jahren eine revolutionäre Technologie war, ist es heute in der Textverarbeitung und im Layout ein selbstverständlicher Standard, den Nutzer voraussetzen. Die technische Herausforderung liegt heute weniger in der Positionierung von Text, sondern in der korrekten Farbwiedergabe (Color Management) zwischen dem leuchtenden RGB-Bildschirm und dem reflektierenden CMYK-Druck. Im rein digitalen Webdesign hingegen hat der Begriff an Bedeutung verloren, da das „Print“-Medium hier keine primäre Rolle mehr spielt.