Voipen
Was bedeutet „Voipen“?
Voipen ist ein umgangssprachlicher, eingedeutschter Begriff (Verbum), der sich von der Technologie VoIP (Voice over IP) ableitet. Er beschreibt die Handlung, Telefonate über das Internetprotokoll (IP) zu führen, anstatt das klassische, leitungsvermittelte Telefonnetz (PSTN/ISDN) zu nutzen.
Wenn jemand sagt, er „voipt“ gerade, bedeutet das schlicht: Er telefoniert über das Internet. Der Begriff hat sich im deutschen Sprachraum etabliert, um die neue Art der Kommunikation von der traditionellen Festnetztelefonie abzugrenzen, auch wenn die technische Umstellung auf „All-IP“ in vielen Ländern (wie Deutschland) mittlerweile abgeschlossen ist und fast jedes Telefonat heute technisch gesehen „gevoipt“ wird.
Synonyme sind: Internet-Telefonieren, IP-Telefonieren oder schlicht Skypen/Zoomen (wobei diese markenspezifisch sind).
Hintergrund: Von ISDN zu All-IP
Die Notwendigkeit eines eigenen Wortes entstand durch den massiven technologischen Wandel in den 2010er Jahren:
- Früher (ISDN/PSTN): Telefonie lief über eigene Kupferleitungen, die eine feste Verbindung (Leitungsschaltung) zwischen zwei Teilnehmern aufbauten. Dies war teuer und unflexibel.
- Heute (VoIP/All-IP): Die Sprache wird in Datenpakete zerlegt und über das Internet gesendet. In Deutschland haben die großen Anbieter (wie die Telekom) bis Ende 2018 das alte ISDN-Netz komplett abgeschaltet. Das bedeutet: Jeder, der heute über einen modernen DSL-, Kabel- oder Glasfaseranschluss telefoniert, „voipt“ automatisch, auch wenn er ein ganz normales Festnetztelefon benutzt.
Der Begriff „Voipen“ wird jedoch oft noch spezifischer verwendet für:
- Das Nutzen von Software-Lösungen (Softphones) am PC oder Smartphone.
- Das Führen von Gesprächen über Messenger-Dienste (WhatsApp, Signal, Threema).
- Das bewusste Nutzen von Internet-Telefonie, um Kosten zu sparen (z. B. bei Auslandsgesprächen).
Wie funktioniert das „Voipen“?
Technisch unterscheidet sich der Vorgang nicht von der normalen VoIP-Nutzung:
- Umwandlung: Das Mikrofon nimmt die Sprache auf, ein Codec wandelt sie in digitale Daten um.
- Paketierung: Die Daten werden in kleine Pakete verpackt und mit Absender- und Zieladresse (IP-Adresse) versehen.
- Versand: Die Pakete reisen über das Internet zum Empfänger.
- Wiedergabe: Der Empfänger setzt die Pakete zusammen und wandelt sie zurück in hörbare Sprache.
Dies geschieht in Echtzeit. Damit das „Voipen“ Spaß macht und nicht zur Qual wird, sind eine stabile Internetverbindung und eine geringe Latenz (Ping) entscheidend.
Wo wird „gevoipt“?
Der Begriff deckt verschiedene Szenarien ab:
1. Festnetz über Router (All-IP)
Der Nutzer hebt den Hörer seines normalen Telefons ab, das an der FRITZ!Box oder einem anderen Router hängt. Im Hintergrund wandelt der Router die Sprache in IP-Pakete um und sendet sie an den Provider. Der Nutzer merkt davon nichts, technisch gesehen „voipt“ er aber.
2. Softphones am PC/Laptop
Nutzer installieren Programme wie Zoiper, MicroSIP oder nutzen Dienste wie Skype for Business bzw. Microsoft Teams, um vom Computer aus zu telefonieren. Dies ist im Homeoffice sehr verbreitet. Hier sagt man oft explizit: „Ich voipe mal kurz mit dem Kollegen.“
3. Messenger und Apps
Das Telefonieren über WhatsApp, FaceTime, Signal, Telegram oder Discord ist die reinste Form des „Voipens“ für den Endverbraucher. Hier wird die Mobilfunknummer oder das Datenvolumen genutzt, um Sprachverbindungen aufzubauen, ohne das klassische Telefonnetz zu belasten.
4. Geschäftliche Telefonie (Cloud-PBX)
Unternehmen nutzen reine Cloud-Telefonanlagen. Mitarbeiter können von überall auf der Welt „voipen“, als säßen sie im Büro. Die Telefonnummer ist nur noch eine logische Adresse, nicht mehr an einen Ort gebunden.
Vor- und Nachteile des Voipens
Vorteile
- Kosteneinsparung: Besonders bei internationalen Gesprächen sind die Kosten oft minimal oder gar nicht vorhanden (bei Messenger-Diensten).
- Flexibilität: Man ist ortsunabhängig. Wer im Urlaub ist, kann unter seiner heimischen Nummer erreichbar bleiben und „voipen“, solange Internet da ist.
- Zusatzfunktionen: Video, Bildschirmteilung, Chat-Integration und Aufzeichnungsfunktionen sind oft nahtlos integriert.
- Infrastruktur: Es wird kein separates Telefonnetz mehr benötigt; eine Leitung für alles (Daten + Sprache).
Nachteile
- Internet-Abhängigkeit: Kein Internet = kein Telefon. Bei einem Stromausfall oder Internetausfall fällt auch das Telefon aus (außer man hat eine USV oder nutzt das Handy mit mobilen Daten).
- Qualitätsschwankungen: Wenn das Internet langsam ist oder andere Nutzer die Bandbreite verstopfen (z. B. durch Downloads oder Streaming), kann die Sprachqualität leiden (Aussetzer, Roboterstimme).
- Notruf: Bei manchen VoIP-Lösungen (besonders Apps) ist der Notruf (112) nicht immer ortsgenau vermittelbar oder funktioniert ohne aktive Internetverbindung gar nicht.
Fazit
„Voipen“ ist mehr als nur ein Modewort; es beschreibt den fundamentalen Wandel der Telekommunikation im 21. Jahrhundert. Was als spezielle Technik für Nerder und Sparfüchse begann, ist heute der globale Standard. Ob wir es bewusst so nennen oder nicht: Fast jedes Telefonat, das wir heute führen, ist ein VoIP-Gespräch. Der Begriff bleibt jedoch nützlich, um die aktive Nutzung internetbasierter Telefonie-Lösungen (Apps, Softphones, Cloud-Telefonie) von der passiven Nutzung des alten Festnetzes zu unterscheiden oder um die Vorteile der kostenlosen Kommunikation über Messenger hervorzuheben. Wer heute „voipt“, telefoniert modern, flexibel und meist kostengünstiger.