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IE (Internet Explorer)

IE (Internet Explorer)

 

Internet Explorer (IE) ist Microsofts historischer Web‑Browser, der erstmals 1995 mit Windows 95 Plus! veröffentlicht wurde und über fast zwei Jahrzehnte hinweg als Standard‑Browser in den Windows‑Desktop‑Versionen integriert war. In den frühen 2000‑er‑Jahren dominierte IE den Markt (Marktanteil > 90 %), bevor er mit dem Aufkommen von Konkurrenten wie Firefox, Chrome und Safari an Bedeutung verlor. Die letzte Hauptversion, Internet Explorer 11, erschien 2013 und wird seit Windows 10 von Microsoft Edge (Chromium‑basiert) schrittweise abgelöst.

 

1. Technische Merkmale

  • Rendering‑Engine:
    • Trident (IE 4 – IE 10).
    • EdgeHTML (IE 11, sog. “Trident‑Kompatibilitäts‑Modus”).
     
  • Kompatibilitäts‑Modi:
    • Quirks‑Mode (alte Webseiten‑Kompatibilität).
    • Standards‑Mode (nach zeitgemäßen Web‑Standards).
     
  • Unterstützte Standards (je Version):
    • HTML 4.01, XHTML 1.0, teilweise HTML5‑Elemente (ab IE 11).
    • CSS 2.1, begrenzte CSS 3‑Features (Transitionen, Flexbox erst in IE 11).
    • JavaScript‑Engine Chakra (IE 9 – IE 11) – JIT‑Kompilierung, ECMAScript 5‑Unterstützung.
     
  • ActiveX‑Steuerelemente:
    • COM‑basierte Plug‑ins, die tief im System integriert sind – erlauben erweiterte Funktionalität, stellen jedoch ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar.
 

2. Sicherheit & Schwachstellen

  • Legacy‑Probleme: Viele veraltete Komponenten (z. B. ActiveX, VBScript) sind anfällig für Code‑Injection und Remote‑Code‑Execution.
  • Patching: Microsoft veröffentlichte regelmäßige Sicherheits‑Updates (Patch Tuesday) bis zum offiziellen End‑of‑Support am 15. Juni 2022 für Windows 10 (Version 1909 und älter) und Windows 7.
  • De‑Facto‑EOL: Ohne Sicherheitsupdates wird IE von modernen Antiviren‑ und Netzwerk‑Sicherheits‑Tools als unsicher eingestuft.
 

3. Kompatibilitäts‑ und Legacy‑Herausforderungen

Viele ältere Unternehmens‑Intranets, interne Web‑Apps und Finanz‑Systeme basieren auf IE‑spezifischen Technologien (z. B. ActiveX, „document.all“, proprietäre CSS‑Hacks). Der Umstieg auf moderne Browser erfordert:

 
  • Code‑Modernisierung: Ersetzen von ActiveX durch HTML5‑APIs (z. B. File‑API, Web‑Sockets).
  • Kompatibilitäts‑Modus in Edge: Edge unterstützt einen IE‑Modus, der Trident‑Komponenten emuliert, um veraltete Anwendungen weiter zu betreiben, ohne den ganzen PC auf IE 11 zurückzusetzen.
 

4. Markt‑ und Nutzungsentwicklung

  • 1995‑2004: IE 6 war das De‑Facto‑Standard‑Browser in Unternehmen und privaten Haushalten.
  • 2005‑2010: Aufstieg von Firefox und Chrome; Marktanteil von IE beginnt zu sinken.
  • 2011‑2015: Einführung von IE 10 / IE 11 mit Sprach‑Rendering‑Verbesserungen, aber geringer Akzeptanz.
  • Ab 2015: Microsoft empfiehlt den Wechsel zu Edge (erst EdgeHTML‑basiert, ab 2020 Chromium‑basiert).
 

5. Legacy‑Support‑Strategie von Microsoft

  • „IE‑Mode“ in Microsoft Edge: Erlaubt Unternehmen, alte Web‑Apps innerhalb des modernen Edge‑Browsers laufen zu lassen, indem Trident‑Kompatibilität über ein vereinfachtes Policy‑Management (Group‑Policy, Enterprise‑Mode‑Site‑List) bereitgestellt wird.
  • Virtualisierung: Unternehmen setzen häufig Virtual Desktop Infrastructure (VDI) oder Terminal‑Server‑Umgebungen ein, um IE‑basierte Anwendungen in isolierten Umgebungen zu betreiben.