ICQ
ICQ (ausgesprochen „I‑Seek‑You“) ist ein früher Instant‑Messaging‑Dienst, der 1996 von dem israelischen Unternehmen Mirabilis Ltd. entwickelt und 1998 von AOL übernommen wurde. ICQ gilt als Vorreiter der modernen Online‑Kommunikation, weil es neben reinem Text‑Chat Funktionen wie Präsenz‑Anzeige (online/offline), private Nachrichten, Datei‑Transfer, Chat‑Rooms und später Voice‑ und Video‑Chat integrierte. Der Name leitet sich von der Frage „I seek you?“ ab und betont das Ziel, Personen im Netz zu finden und mit ihnen zu kommunizieren.
1. Grundlegende Funktionen
- Benutzer‑ID: Jeder Nutzer erhält eine eindeutige numerische UIN (Universal Identification Number), die als Kontakt‑Adresse dient.
- Präsenz‑Anzeige: Zeigt den Online‑Status (online, offline, abwesend, beschäftigt) in Echtzeit.
- Direktnachrichten: Sofortiger Text‑Austausch zwischen zwei Kontakten.
- Gruppen‑Chat: Mehrere Nutzer können gleichzeitig in einem virtuellen Raum kommunizieren.
- Datei‑Transfer: Direktes Versenden von Dokumenten, Bildern und anderen Dateien.
- Sprachanrufe & Video‑Chat: Ergänzende Funktionen seit den späten 2000er‑Jahren.
2. Technische Architektur (klassisch)
- Server‑Backend: Zentralisierte Server, die Benutzer‑Registrierung, Authentifizierung, Präsenz‑Management und Nachrichtenaustausch koordinieren.
- Client‑Software: Desktop‑Applikationen für Windows, macOS, Linux sowie mobile Apps für iOS und Android.
- Protokoll: Eigenes proprietäres Protokoll, das über TCP verbindliche Sitzungen für zuverlässige Nachrichtenübermittlung nutzt; später wurde das Protokoll zu XMPP‑ähnlichen Strukturen erweitert, um Interoperabilität zu ermöglichen.
- Verschlüsselung: Historisch nur minimale Verschlüsselung (nur Login-Daten), später mit TLS‑Sicherung für Datenübertragung (ab Version 10).
3. Historische Bedeutung
- In der späten 1990‑ und frühen 2000‑Jahre war ICQ die meistgenutzte Instant‑Messaging‑Plattform weltweit und stellte das Konzept der „Online‑Freunde“ popularisierte.
- Die UIN‑Nummern wurden zu einem kulturellen Phänomen; viele frühe Nutzer tauschten ihre Nummern öffentlich aus, um neue Kontakte zu knüpfen.
- ICQ legte den Grundstein für spätere Dienste wie AOL Instant Messenger, MSN Messenger, Yahoo Messenger und heute WhatsApp, Telegram oder Signal.
4. Weiterentwicklung und aktuelle Version
Nach mehreren Eigentümerwechseln (AOL → Mail‑Ru → Mail‑Ru Group) wurde ICQ modernisiert:
- Neues UI/UX: Moderne, scrollbare Chat‑Oberfläche mit Emoji‑ und Sticker‑Support.
- End‑to‑End‑Verschlüsselung (E2EE): Für private Unterhaltungen über das Secret‑Chat‑Feature.
- Cloud‑Synchronisation: Chats, Kontakte und Dateien werden über die Cloud gesichert und geräteübergreifend synchronisiert.
- Bots & Integrationen: Unterstützung von Chat‑Bots, automatisierten Antworten und API‑Zugriff für Drittanbieter.
5. Datenschutz & Sicherheit
- Datenschutz‑Bestimmungen: Unterliegt den gesetzlichen Regelungen des Landes des Betreibers (z. B. Russland, EU‑DSGVO‑Anforderungen).
- Verschlüsselung: Standard‑Chats sind über TLS geschützt; geheime Chats nutzen zusätzliche Ende‑zu‑Ende‑Verschlüsselung.
- Nutzerdaten: Profilinformationen, Kontaktlisten und Chat‑Verläufe werden auf Servern gespeichert; Nutzer können diese exportieren oder löschen.

