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Man-in-the-middle / MITM

 

Man‑in‑the‑Middle (MITM)

Man‑in‑the‑Middle (MITM) ist ein Angriffstyp, bei dem ein Angreifer den Kommunikationsfluss zwischen zwei legitimen Parteien (z. B. Client ↔ Server) heimlich abfängt, beobachtet, manipuliert oder falsche Daten einfügt, ohne dass die Beteiligten den Eingriff bemerken. Der Angreifer positioniert sich dabei „zwischen“ die beiden Endpunkte und kontrolliert die übermittelten Nachrichten.

 

Wie ein MITM‑Angriff funktioniert

  1. Positionierung – Der Angreifer platziert sich auf dem Netzwerkpfad (z. B. über ein kompromittiertes Wi‑Fi‑Access‑Point, ARP‑Spoofing, DNS‑Hijacking, kompromittierte Router).
  2. Abfangen – Der Datenverkehr wird mitgeloggt oder in Echtzeit weitergeleitet.
  3. Manipulation (optional) – Pakete werden verändert, neue Inhalte eingefügt oder legitime Daten ersetzt (z. B. gefälschte Login‑Formulare).
  4. Weiterleitung – Der manipulierte Traffic wird an den eigentlichen Empfänger gesendet, wodurch die Kommunikation scheinbar unverändert bleibt.
 

Typische Techniken zur Durchführung

Technik
Beschreibung
Anwendungsbeispiel
ARP‑Poisoning / ARP‑Spoofing
Falsche ARP‑Antworten senden, um die MAC‑Adressen im lokalen Netzwerk zu manipulieren – der Angreifer wird zum Relay für alle Pakete.
WLAN‑Cafe, Unternehmens‑LAN
DNS‑Hijacking
Antworten des DNS‑Servers fälschen, sodass die Ziel‑Domain auf eine vom Angreifer kontrollierte IP zeigt.
Phishing‑Seiten, Malware‑Distribution
SSL‑Strip
Entfernt HTTPS, indem HTTP‑Verbindungen angeboten werden; der Angreifer kann klare Texte lesen.
Öffentliche Wi‑Fi‑Hotspots
HTTPS‑Proxy / TLS‑Termination
Der Angreifer fungiert als Proxy, entschlüsselt TLS‑Verkehr (z. B. durch ein gefälschtes Zertifikat) und verschlüsselt erneut.
Unternehmens‑Proxy mit gestohlenem Zertifikat
Rogue Access Point
Ein gefälschtes Wi‑Fi‑AP, das legitime SSID imitiert, sodass Geräte automatisch verbinden.
Öffentliche Hotspots
Compromised Router / ISP
Manipulation von Routing‑Tabellen oder DNS‑Einträgen auf Netzwerk‑Infrastructure‑Level.
Nation‑State‑Angriffe

Erkennungs‑ und Schutzmaßnahmen

Maßnahme
Wirkungsweise
TLS/SSL‑Pinning
Anwendung prüft, ob das Server‑Zertifikat exakt dem erwarteten Fingerprint entspricht – verhindert gefälschte Zertifikate.
HSTS (HTTP Strict Transport Security)
Browser erzwingt HTTPS‑Verbindungen, reduziert das Risiko von SSL‑Strip.
Public‑Key‑Pinning / Certificate Transparency
Transparente Zertifikatslog‑Einträge ermöglichen das Erkennen von unautorisierten Zertifikaten.
ARP‑Inspection / Dynamic ARP Inspection (DAI)
Netzwerk‑Switches prüfen ARP‑Pakete gegen eine vertrauenswürdige Datenbank.
DNSSEC
Kryptografische Signatur von DNS‑Antworten, verhindert DNS‑Hijacking.
VPN
End‑to‑End‑Verschlüsselung des Datenverkehrs schützt vor lokaler MITM‑Abhörung.
Multi‑Factor Authentication (MFA)
Selbst wenn Credentials abgefangen werden, verhindert ein zweiter Faktor den unautorisierten Zugriff.
Network Intrusion Detection Systems (NIDS)
Analyse von Traffic‑Anomalien (z. B. ungewöhnliche MAC‑Zuordnungen, plötzliches DNS‑Umleiten).
Certificate Validation
Vollständige Prüfung von Zertifikatskette, Ablaufdatum und Revocation‑Status (OCSP/CRL).
User Awareness
Aufklärung über gefälschte Zertifikatswarnungen, verdächtige Wi‑Fi‑Netzwerke.

Folgen eines erfolgreichen MITM‑Angriffs

  • Datendiebstahl – Passwörter, Kreditkartendaten, vertrauliche Unternehmensinformationen.
  • Datenmanipulation – Veränderung von Finanztransaktionen, falsche Befehle an Steuerungssysteme.
  • Identitätsdiebstahl – Session‑IDs übernehmen, Zugriff auf geschützte Konten.
  • Malware‑Installation – Eingefügte Skripte laden Schadsoftware herunter.
  • Vertrauensverlust – Kunden‑ und Partner‑Vertrauen in die IT‑Sicherheit wird beschädigt.
 

Szenario‑Beispiel (Kurz)

  1. Ein Nutzer verbindet sich im Café mit einem offenen WLAN.
  2. Der Angreifer hat dort einen Rogue‑Access‑Point mit derselben SSID wie das legitime Netzwerk eingerichtet.
  3. Der Nutzer authentifiziert sich gegenüber seiner Bank über HTTPS.
  4. Der Angreifer führt ein SSL‑Strip‑Gerät aus, leitet den Traffic über HTTP um und ersetzt das echte Zertifikat durch ein selbstsigniertes.
  5. Der Nutzer ignoriert die Browser‑Warnung, gibt seine Anmeldedaten ein.
  6. Der Angreifer erhält die Credentials, kann sich später im Online‑Banking einloggen und Geld transferieren.
 

Zusammenfassung

  • MITM‑Angriffe nutzen die Kontrolle über die Netzwerk‑Verbindung, um Daten abzuhören oder zu manipulieren.
  • Klassische Techniken: ARP‑Poisoning, DNS‑Hijacking, SSL‑Strip, rogue Access Points.
  • Schutz erfordert eine Kombination aus kryptografischen Maßnahmen (TLS‑Pinning, HSTS, DNSSEC), Netzwerk‑Sicherheit (ARP‑Inspection, NIDS) und Benutzer‑Sensibilisierung (Achtung bei Zertifikatswarnungen, Nutzung von VPNs).