Cybermobbing

Cybermobbing (auch Cyberbullying genannt) bezeichnet die vorsätzliche, wiederholte und über einen längeren Zeitraum stattfindende Schädigung anderer Personen durch den Einsatz digitaler Medien. Im Gegensatz zum klassischen Mobbing, das oft auf den Schulhof, das Büro oder den Sportverein beschränkt ist, findet Cybermobbing im virtuellen Raum statt – in sozialen Netzwerken (Instagram, TikTok, Facebook), Messengern (WhatsApp, Telegram), Online-Spielen, Foren oder per E-Mail.

 

Die Handlungen reichen von Beleidigungen und Bedrohungen über das Verbreiten von Lügen und Gerüchten bis hin zur Veröffentlichung privater, peinlicher oder manipulierter Fotos und Videos ohne Zustimmung der Betroffenen. Das Ziel ist stets, das Opfer psychisch zu verletzen, sozial zu isolieren, bloßzustellen oder in Angst zu versetzen.

 

Merkmale und Unterschiede zum klassischen Mobbing

Cybermobbing teilt die Kernmerkmale des traditionellen Mobbings (Machtungleichgewicht, Wiederholung, Vorsatz), weist jedoch spezifische Eigenschaften auf, die es besonders gefährlich und eindringlich machen:

 
  1. Öffentlichkeit und Reichweite: Ein beleidigendes Foto oder Video kann innerhalb von Minuten hunderte oder tausende Menschen erreichen. Das Publikum ist nicht auf eine Klasse oder Abteilung beschränkt, sondern potenziell global. Was einmal im Netz ist, lässt sich kaum vollständig löschen.
  2. Anonymität: Täter können sich hinter Pseudonymen, Fake-Profilen oder anonymen Diensten verstecken. Diese wahrgenommene Anonymität senkt die Hemmschwelle für aggressives Verhalten erheblich („Online Disinhibition Effect“), da die direkte Konfrontation mit der emotionalen Reaktion des Opfers fehlt.
  3. Kein sicherer Rückzugsort: Während klassisches Mobbing oft aufhört, wenn man das Gebäude (Schule, Büro) verlässt, verfolgt Cybermobbing das Opfer bis ins eigene Schlafzimmer. Das Smartphone ist ständiger Begleiter, sodass das Opfer theoretisch rund um die Uhr erreichbar und angreifbar ist („24/7-Mobbing“).
  4. Dauerhaftigkeit: Digitale Inhalte sind persistent. Selbst wenn ein Beitrag gelöscht wird, können Screenshots oder Kopien weiterhin existieren und Jahre später wieder auftauchen, was die psychische Belastung langfristig erhöht und z. B. bei Bewerbungen problematisch werden kann.
  5. Fehlende nonverbale Signale: Da Täter die unmittelbare Reaktion (Tränen, Angst, Schmerz) des Opfers nicht sehen, fehlt oft das empathische Feedback, das sonst aggressives Verhalten bremsen könnte. Das Opfer wird entmenschlicht und zum bloßen Objekt am Bildschirm.
 

Formen von Cybermobbing

Experten unterscheiden verschiedene Erscheinungsformen, die oft kombiniert auftreten:

 
  • Flaming: Kurzfristige, heftige Wortgefechte und Beleidigungen in öffentlichen Foren, Chats oder Kommentarspalten.
  • Harassment (Belästigung): Systematisches und wiederholtes Senden von beleidigenden, bedrohlichen oder beschämenden Nachrichten direkt an das Opfer.
  • Cyberstalking: Intensives, wiederholtes Nachstellen, Überwachen und Bedrohen des Opfers im Netz, das oft in die reale Welt übergreift und eine konkrete Gefahr für die körperliche Sicherheit darstellt.
  • Denigration (Verleumdung): Das Verbreiten von falschen Gerüchten, Lügen oder peinlichen Bildern, um den Ruf des Opfers gezielt zu schädigen („Shaming“).
  • Impersonation (Identitätsdiebstahl): Täter geben sich als das Opfer aus (z. B. durch gehackte Accounts oder Fake-Profile), um in dessen Namen andere zu beleidigen, peinliche Inhalte zu posten oder Kontakte zu täuschen.
  • Outing & Trickery: Das Veröffentlichen privater Geheimnisse, intimer Fotos oder Videos, die dem Täter im Vertrauen mitgeteilt oder durch List entlockt wurden.
  • Exclusion (Ausgrenzung): Das bewusste und öffentliche Ausschließen einer Person aus Online-Gruppen, Chats, Spielen oder virtuellen Events, um sie sozial zu isolieren.
  • Happy Slapping: Das Filmen von körperlichen Übergriffen oder Demütigungen mit dem Handy und das anschließende Verbreiten des Videos im Netz zur zusätzlichen Bloßstellung.
 

Folgen für die Opfer

Die psychischen, sozialen und körperlichen Folgen von Cybermobbing können gravierend sein und weit über den digitalen Raum hinauswirken:

  • Psychische Gesundheit: Entwicklung von Depressionen, Angststörungen, Panikattacken, posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) und einem stark gesunkenen Selbstwertgefühl.
  • Soziale Isolation: Rückzug aus dem Freundeskreis, Schulverweigerung (Schulangst), Probleme am Arbeitsplatz oder im Verein.
  • Körperliche Symptome: Psychosomatische Beschwerden wie Kopf- und Bauchschmerzen, Schlafstörungen, Essstörungen oder Selbstverletzung.
  • Suizidalität: In extremen Fällen kann der Druck so groß werden, dass Betroffene Suizidgedanken entwickeln oder Suizid versuchen.
 

Rechtliche Situation (Deutschland)

Es gibt in Deutschland zwar keinen eigenen Straftatbestand „Cybermobbing“, aber viele der damit verbundenen Handlungen sind strafbar und können zur Anzeige gebracht werden:

  • Beleidigung, Üble Nachrede, Verleumdung: (§§ 185–187 StGB)
  • Nachstellung (Stalking): (§ 238 StGB) – Dazu gehört auch das beharrliche Belästigen im Netz.
  • Bedrohung: (§ 241 StGB)
  • Recht am eigenen Bild: (§ 22 KunstUrhG) – Verbreiten von Fotos/Videos ohne Einwilligung.
  • Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs: (§ 201a StGB) – z. B. Fotos aus der Wohnung oder vom nackten Körper.
  • Nötigung: (§ 240 StGB)
 

Zivilrechtlich können Opfer auf Unterlassung, Löschung der Inhalte und Schadensersatz (inkl. Schmerzensgeld) klagen. Bei Minderjährigen haften oft die Eltern für die Handlungen ihrer Kinder.

 

Was tun? Handlungsempfehlungen

Für Betroffene und Zeugen gelten folgende Strategien:

 
  1. Nicht antworten: Täter wollen eine Reaktion. Schweigen entzieht ihnen oft den „Brennstoff“.
  2. Beweise sichern: Mache sofort Screenshots von beleidigenden Nachrichten, Kommentaren, Profilen und URLs. Speichere Datum und Uhrzeit. Dies ist essenziell für eine spätere Anzeige oder Löschung.
  3. Melden und Blockieren: Nutze die Meldefunktionen der Plattformen (Instagram, TikTok, WhatsApp etc.), um Inhalte und Accounts sperren zu lassen. Blockiere die Täter konsequent.
  4. Hilfe holen: Sprich mit vertrauenswürdigen Personen (Eltern, Lehrer, Freunde, Kollegen) darüber. Du musst das nicht alleine durchstehen. Professionelle Hilfe bieten auch Beratungsstellen (z. B. „Nummer gegen Kummer“ oder „Juuuport“).
  5. Rechtliche Schritte: Bei schweren Verstößen (Bedrohungen, sexuelle Belästigung, Verbreitung intimer Bilder) sollte die Polizei eingeschaltet werden.
  6. Plattformen kontaktieren: Fordere den Betreiber der Webseite oder App zur Löschung der Inhalte auf. In Deutschland unterstützt dabei auch die „Internet-Beschwerdestelle“.
 

Prävention

Prävention beginnt bei der Medienkompetenz und dem sozialen Miteinander:

  • Datenschutz: Sparsam mit persönlichen Daten, Passwörtern und intimen Bildern umgehen. Privatsphäre-Einstellungen in sozialen Netzwerken konsequent nutzen und regelmäßig prüfen.
  • Empathie fördern: Bewusstsein schaffen, dass hinter jedem Profil ein realer Mensch mit Gefühlen steht. Was man nicht persönlich sagen würde, sollte man auch nicht schreiben.
  • Zivilcourage: Zeugen sollten nicht wegsehen oder durch „Likes“ zustimmen. Durch das Melden von Inhalten oder das öffentliche Unterstützen des Opfers („Counter-Speech“) kann die Dynamik des Mobbings oft durchbrochen werden.
 

Fazit

Cybermobbing ist kein „virtuelles Kavaliersdelikt“, sondern eine ernste Form der Gewalt mit realen, oft langfristigen und traumatischen Folgen. Die Besonderheiten des digitalen Raums – Anonymität, enorme Reichweite und die Dauerhaftigkeit von Inhalten – machen den Schutz der Opfer besonders herausfordernd. Es bedarf eines gemeinsamen Handelns von Betroffenen, Eltern, Schulen, Plattformbetreibern und Strafverfolgungsbehörden, um dieser Form der Aggression wirksam zu begegnen. Die wichtigste Botschaft für Betroffene lautet: Du bist nicht schuld, und du bist nicht allein – es gibt Hilfe.

Kontakt

Adresse
PHNETZ Internetagentur
Peter Höppner
Robert‑Bosch‑Straße 8
86551 Aichach

Telefon
📞 +49 (0)8251 8628574

E‑Mail
✉️ service@phnetz.de