At-Zeichen (@)

Das At-Zeichen (@), im Deutschen umgangssprachlich oft „Klammeraffe“ genannt, ist ein Schriftzeichen, das ursprünglich als kaufmännisches Symbol für „je Stück“ oder „zum Preis von“ verwendet wurde. Heute ist es weltweit vor allem als zentraler Bestandteil von E-Mail-Adressen und in sozialen Medien (als Erwähnungs-Symbol) bekannt. Es trennt in einer E-Mail-Adresse den lokalen Teil (den Benutzernamen) vom Domain-Teil (dem Servernamen) und definiert somit die Beziehung „Nutzer at (bei) Domain“.

 

Obwohl es heute eines der meistgenutzten Zeichen der digitalen Welt ist, war es vor dem Internetzeitalter auf den meisten Schreibmaschinentastaturen in Europa gar nicht vorhanden und fristete ein Nischendasein in der Buchhaltung.

 

Geschichte und Herkunft

Die genaue Herkunft des Symbols ist nicht eindeutig geklärt, aber es lässt sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen.

 
  • Kaufmännischer Ursprung: Im 16. und 17. Jahrhundert nutzten venezianische und spanische Kaufleute das Symbol als Abkürzung für die Maßeinheit „Arroba“ (ein Hohl- und Gewichtsmaß, ca. 11–15 kg). Das Wort „Arroba“ bedeutet auf Arabisch „al-rubʿ“ (ein Viertel). Das @ symbolisierte also „eine Arroba von“.
  • Sprachliche Bedeutung: Im Englischen entwickelte sich daraus die Präposition „at“ (bei, an, zu). In Handelsbriefen stand „5 apples @ $1“ für „5 Äpfel zu je 1 Dollar“.
  • Auf der Tastatur: Das Zeichen schaffte es früh auf amerikanische Schreibmaschinentastaturen, war aber in Europa lange unbekannt. Erst mit der Verbreitung von Computern und der ASCII-Codierung (wo es den Code 64 hat) wurde es global standardisiert.
 

Die digitale Renaissance: Ray Tomlinson und die E-Mail

Die eigentliche Karriere des @-Zeichens begann am 3. Oktober 1971. Der US-amerikanische Ingenieur Ray Tomlinson entwickelte das erste Programm zum Versenden von Nachrichten zwischen verschiedenen Rechnern im ARPANET (dem Vorläufer des Internets).

 
  • Das Problem: Tomlinson benötigte ein Zeichen, um den Benutzernamen vom Namen des Zielcomputers zu trennen. Das Zeichen durfte weder im Namen noch im Computernamen vorkommen und musste logisch eine Beziehung ausdrücken.
  • Die Lösung: Er wählte das @, weil es im Englischen „at“ (bei) bedeutet. Die Logik: „Der Nutzer X befindet sich bei (at) dem Computer Y.“
  • Das Ergebnis: Die erste E-Mail-Adresse war geboren (z. B. tomlinson@bbn-tenexa). Diese Entscheidung machte das fast vergessene Symbol zum wichtigsten Zeichen der digitalen Kommunikation.
 

Das @ in sozialen Medien und Messengern

Mit dem Aufkommen von Web 2.0 und sozialen Netzwerken erhielt das @-Zeichen eine neue Funktion: die Adressierung oder Erwähnung (Mention).

 
  • Funktionsweise: Wenn ein Nutzer in einem Beitrag (z. B. auf Twitter/X, Instagram, Facebook, LinkedIn oder in Slack/Discord) ein @ gefolgt von einem Benutzernamen schreibt (z. B. @MaxMustermann), verlinkt das System automatisch auf das Profil dieser Person.
  • Effekt: Der erwähnte Nutzer erhält eine Benachrichtigung, und der Beitrag wird oft auch in dessen Feed angezeigt. Dies ermöglicht gezielte Gespräche innerhalb öffentlicher oder halb-öffentlicher Räume.
  • Ursprung: Auch hier war Twitter (heute X) ein Vorreiter, wo Nutzer das Zeichen um 2006 begannen, informell zu nutzen, bevor es offiziell als Feature integriert wurde.
 

Das @ im Deutschen: Der „Klammeraffe“

Deutschland ist eines der wenigen Länder, das für das @-Zeichen einen so bildhaften und tierischen Spitznamen geprägt hat: den Klammeraffe.

 
  • Herkunft des Namens: Der Begriff tauchte erstmals in den 1970er Jahren auf. Da das Zeichen auf deutschen Schreibmaschinen fehlte, mussten Sekretärinnen es oft mühsam aus einzelnen Strichen zusammensetzen oder mit der Hand nachzeichnen. Die Form – ein geschwungenes „a“, das von einem Kreis umschlungen wird – erinnerte Grafikdesigner und Nutzer an einen Affen, der sich mit seinem Schwanz an einem Ast (dem Buchstaben) festklammert.
  • Verbreitung: Mit dem Siegeszug des Internets und der E-Mail in den 1990er Jahren wurde „Klammeraffe“ zum festen Bestandteil des deutschen Alltagswortschatzes.
  • Internationale Namen: In anderen Sprachen gibt es ebenfalls kreative Bezeichnungen:
    • Italienisch: chiocciola (Schnecke)
    • Französisch: arobase (von Arroba)
    • Russisch: sobaka (Hund)
    • Hebräisch: shtrudel (wegen der spiralförmigen Optik)
    • Chinesisch: lao-shu (Maus)
 

Technische Bedeutung und Tastatureingabe

Technisch ist das @-Zeichen im ASCII-Code an der Position 64 (binär 1000000) verankert. Es ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Syntax für:

  • E-Mail-Adressen: name@domain.tld
  • Social Media Handles: @username
  • Programmierung: In vielen Sprachen (wie C#, Java, PHP, Python) hat es spezielle Funktionen, z. B. zur Kennzeichnung von Attributen (Annotations), zur Unterdrückung von Fehlermeldungen (PHP) oder zur Definition von Raw-Strings (C#, Python).
 

Eingabe auf der Tastatur:

  • Deutschland (DE-Tastatur): Alt Gr + Q
  • Österreich (AT-Tastatur): Alt Gr + 2
  • Schweiz (CH-Tastatur): Alt Gr + 2
  • US-Tastatur: Shift + 2
 

Kulturelle und rechtliche Aspekte

Das @-Zeichen hat es sogar in Museen geschafft. Das Museum of Modern Art (MoMA) in New York nahm es 2010 in seine Sammlung auf, als eines der am weitesten verbreiteten Designobjekte der Welt.

 

Rechtlich ist das Zeichen in E-Mail-Adressen unverzichtbar. Versuche, es durch andere Symbole zu ersetzen (z. B. in domains), scheitern meist an den technischen Standards des DNS (Domain Name System), das im Host-Teil (rechts vom @) keine Sonderzeichen außer Bindestrichen erlaubt.

 

Fazit

Das At-Zeichen ist ein Paradebeispiel dafür, wie ein uraltes, fast vergessenes kaufmännisches Symbol durch eine einzige technische Entscheidung (die Wahl von Ray Tomlinson 1971) zum globalen Standard der Kommunikation werden konnte. Vom „Klammeraffen“ auf der deutschen Tastatur bis zum „at“ in jeder E-Mail-Adresse verbindet es Menschen und Maschinen. Es ist das digitale Äquivalent einer Adresse auf einem Briefumschlag und ohne das das moderne Internet, wie wir es kennen, nicht funktionieren würde.

 

Kontakt

Adresse
PHNETZ Internetagentur
Peter Höppner
Robert‑Bosch‑Straße 8
86551 Aichach

Telefon
📞 +49 (0)8251 8628574

E‑Mail
✉️ service@phnetz.de