OER – Open Educational Resources (Offene Bildungsmaterialien)
OER steht für Open Educational Resources (deutsch: Offene Bildungsmaterialien). Es handelt sich um Lehr-, Lern- und Forschungsmaterialien in jeglichem Medium (digital oder anderweitig), die gemeinfrei sind oder unter einer offenen Lizenz veröffentlicht wurden. Diese Lizenz erlaubt es anderen, die Materialien kostenlos zu nutzen, zu bearbeiten, zu kombinieren und weiterzuverbreiten, ohne dass dafür Gebühren anfallen oder komplexe rechtliche Hürden überwunden werden müssen.
Die 5 Freiheiten (5R-Aktivitäten)
Das Kernmerkmal von OER ist die Gewährung der sogenannten 5R-Rechte, die den Nutzern weit mehr Freiheit einräumen als das traditionelle Urheberrecht:
- Retain (Behalten): Das Recht, Kopien des Materials zu erstellen und zu besitzen (z. B. herunterladen, speichern).
- Reuse (Wiederverwenden): Das Recht, das Material in verschiedenen Kontexten zu nutzen (z. B. im Unterricht, auf einer Website, in einem Video).
- Revise (Bearbeiten): Das Recht, das Material anzupassen, zu modifizieren oder zu verändern (z. B. Übersetzung, Anpassung an den lokalen Lehrplan).
- Remix (Mischen): Das Recht, das Originalmaterial mit anderen Materialien zu kombinieren, um etwas Neues zu schaffen.
- Redistribute (Weiterverbreiten): Das Recht, Kopien des Originals oder der eigenen Bearbeitung mit anderen zu teilen.
Typische Lizenzierung: Creative Commons
Die rechtliche Grundlage für OER bilden meist Creative-Commons-Lizenzen (CC). Nicht jede CC-Lizenz ist jedoch eine OER-Lizenz.
- Geeignet für OER: Lizenzen, die Bearbeitungen und Weiterverbreitung erlauben (z. B. CC BY, CC BY-SA, CC0).
- CC BY (Namensnennung): Man darf alles tun, solange der Urheber genannt wird.
- CC BY-SA (Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen): Bearbeitungen müssen unter derselben Lizenz weitergegeben werden („Copyleft“-Prinzip).
- Nicht geeignet für OER: Lizenzen, die Bearbeitungen verbieten (ND – No Derivatives) oder die kommerzielle Nutzung untersagen (NC – Non-Commercial), schränken die 5R-Freiheiten zu stark ein, um als „vollwertige“ OER zu gelten (wobei NC-Materialien oft im weiteren Sinne dazugezählt werden, aber die Remix-Freiheit fehlt).
Arten von OER-Materialien
OER umfasst ein breites Spektrum an Ressourcen:
- Lehrbücher (Open Textbooks)
- Skripte und Kursmaterialien
- Aufgabenblätter und Prüfungen
- Multimediale Inhalte (Videos, Podcasts, interaktive Simulationen)
- Software und Tools für das Lernen
- Komplette Online-Kurse (MOOCs)
Vorteile von OER
Herausforderungen
- Auffindbarkeit: Es gibt keine zentrale „Suchmaschine für alle OER“. Materialien sind über verschiedene Repositorien (z. B. OER Commons, ZUM, Wikimedia Commons) verstreut.
- Qualitätssicherung: Da jeder OER erstellen kann, variiert die Qualität. Nutzer müssen Materialien selbst prüfen.
- Nachhaltigkeit: Die Pflege und Aktualisierung von offenen Materialien erfordert oft ehrenamtliches Engagement oder spezielle Förderstrukturen.
- Rechtssicherheit: Unsicherheiten bei der Lizenzierung (z. B. bei „Remixes“ aus Materialien unterschiedlicher Lizenzen) können Nutzer abschrecken.
Beispiele und Plattformen
- Wikibooks & Wikipedia: Die bekanntesten Beispiele für kollaborativ erstellte OER.
- OER Commons: Eine internationale Plattform zum Suchen und Teilen von OER.
- ZUM (Zentrale für Unterrichtsmedien): Eine deutsche Plattform für freie Unterrichtsmaterialien.
- OpenStax: Bietet kostenlose, qualitativ hochwertige Schul- und Lehrbücher an (vorwiegend USA, aber zunehmend übersetzt).
- Serlo: Eine freie Lernplattform für Schüler mit vielen OER-Inhalten.
Fazit
OER ist eine Bewegung, die Bildung als öffentliches Gut versteht. Durch den offenen Zugang und die Möglichkeit zur Mitarbeit wird Bildung inklusiver, flexibler und aktueller. Für Schulen, Universitäten und lebenslang Lernende bieten OER eine wertvolle Alternative zu teuren, urheberrechtlich geschützten Lehrmitteln.

