Rohling

Ein Rohling (im englischen Sprachraum meist als Blank, Blank Media oder Recordable Media bezeichnet) ist ein unbeschriebenes, optisches oder magnetisches Speichermedium, das als Massenprodukt hergestellt wird und erst durch den Endanwender mithilfe eines entsprechenden Schreibgeräts (Brenner oder Laufwerk) mit Daten bespielt werden kann.
Obwohl der Begriff historisch auch für unbespielte Kassetten oder Disketten verwendet wurde, etablierte er sich im PC- und IT-Bereich vor allem in den 1990er- und 2000er-Jahren als feste Bezeichnung für unbeschriebene optische Disks wie CDs, DVDs und später Blu-rays.
Technischer Aufbau und Funktionsweise optischer Rohlinge
Optische Rohlinge bestehen aus mehreren Schichten, die im Spritzgussverfahren übereinandergelegt werden. Der physikalische Aufbau entscheidet darüber, ob ein Medium nur einmal oder mehrfach beschrieben werden kann.
Schichtaufbau einer beschreibbaren Disk
Ein typischer Rohling besteht im Kern aus einer transparenten Polycarbonatscheibe. Auf dieser Basis befindet sich eine organische Farbstoffschicht (die sogenannte Dye-Schicht), gefolgt von einer reflektierenden Metallschicht (meist Silber oder Gold) und einer schützenden Lackschicht auf der Oberseite, die oft bedruckt oder beschriftet werden kann. Der Laser des Brenners tastet beim Schreiben eine vorgefertigte Führungsspur (Pregroove) ab.
Der Brennvorgang bei einmalig beschreibbaren Rohringen (R-Medien)
Bei Medien wie der CD-R oder DVD-R ist der Schreibvorgang irreversibel. Der Schreiblaser des PC-Brenners erhitzt die Farbstoffschicht punktuell auf mehrere hundert Grad Celsius. Durch diese Hitzeeinwirkung verändert der Farbstoff dauerhaft seine chemische Struktur und verfärbt sich (er „verbrennt“). Dadurch verliert die Stelle ihre Reflexionsfähigkeit. Beim späteren Auslesen im Laufwerk erkennt der Leselaser den Wechsel zwischen reflektierenden Bereichen (Lands) und absorbierten Bereichen (Pits) und übersetzt diese in digitale Binärdaten (Nullen und Einsen).
Der Brennvorgang bei wiederbeschreibbaren Rohringen (RW-Medien)
Wiederbeschreibbare Medien wie die CD-RW oder DVD-RW nutzen statt eines organischen Farbstoffs eine spezielle Metalllegierung als Phase-Change-Material. Der Brenner kann diese Schicht durch unterschiedliche Laserstärken flexibel zwischen einem kristallinen (reflektierenden) und einem amorphen (nicht-reflektierenden) Zustand hin- und herschalten. Dadurch lassen sich die Daten löschen und der Rohling je nach Qualität mehrere hundert bis tausend Mal neu bespielen.
Die wichtigsten Arten von Rohlingen im Überblick
Im Laufe der Computergeschichte haben sich verschiedene Generationen von optischen Rohlingen mit unterschiedlichen Speicherkapazitäten entwickelt:
  • CD-R / CD-RW (Compact Disc Recordable): Der Klassiker unter den Rohlingen mit einer Standardkapazität von 700 MB (entspricht etwa 80 Minuten Audio).
  • DVD-R / DVD+R / DVD-RW: Standard-Digital-Versatile-Discs mit einer Kapazität von 4,7 GB auf einer Schicht (Single Layer). Die Formate „Plus“ und „Minus“ unterschieden sich anfangs in den technischen Aufzeichnungsverfahren, wurden später aber von fast allen Brennern gleichermaßen unterstützt.
  • DVD-R DL / DVD+R DL (Dual Layer): Diese Rohlinge besitzen zwei beschreibbare Datenschichten auf einer Seite und bieten dadurch fast die doppelte Kapazität von 8,5 GB.
  • BD-R / BD-RE (Blu-ray Disc): Moderne optische Rohlinge für hochauflösende Videos und große Datensicherungen. Sie bieten 25 GB Speicherplatz auf einer Schicht und bis zu 50 GB als Dual-Layer-Variante.
Relevanz in der modernen IT und Archivierung
Mit dem Siegeszug von schnellen USB-Sticks, externen SSDs und Cloud-Speichern haben Rohlinge im PC-Alltag stark an Bedeutung verloren. Die meisten modernen Notebooks und Desktop-PCs werden standardmäßig gar nicht mehr mit optischen Laufwerken ausgeliefert.
Dennoch besitzen spezielle Rohlinge auch heute noch eine Nische im Bereich der Langzeitarchivierung. Sogenannte M-DISC-Rohlinge nutzen eine steinähnliche, anorganische Schicht, die resistent gegen Licht, Wärme und Alterung ist. Während herkömmliche Farbstoff-Rohlinge je nach Lagerung oft schon nach 5 bis 10 Jahren Datenverluste aufweisen können, versprechen M-DISCs eine Haltbarkeit von bis zu 1.000 Jahren und werden daher im professionellen Archivwesen weiterhin eingesetzt.