Page Jacking
Page Jacking ist eine illegale Technik im Bereich des Suchmaschinenmarketings (SEO) und des Cyberkriminalitäts, bei der der Inhalt einer legitimen, gut rankenden Webseite kopiert und auf einer anderen Domain veröffentlicht wird, um Suchmaschinen zu täuschen. Das Ziel ist es, mit dem gestohlenen Content bessere Platzierungen in den Suchergebnissen zu erzielen, um Traffic auf die eigene (oft betrügerische) Seite zu lenken.
Der Begriff setzt sich aus „Page“ (Webseite) und „Hijacking“ (Entführung/Kapern) zusammen.
Funktionsweise
- Kopieren: Der Angreifer sucht nach Webseiten, die in Suchmaschinen wie Google gut positioniert sind und hochwertigen, einzigartigen Content bieten. Dieser Inhalt (Texte, Bilder, manchmal sogar der gesamte HTML-Code) wird kopiert.
- Veröffentlichen: Der gestohlene Inhalt wird auf einer neuen, oft temporären Domain veröffentlicht. Oft werden dabei unsichtbare Techniken eingesetzt, wie z. B. „Cloaking“ (der Suchmaschine wird der originale Inhalt gezeigt, dem Nutzer aber etwas anderes) oder automatische Weiterleitungen.
- Manipulation: Durch den Einsatz von gefälschten Meta-Tags, Keyword-Stuffing oder dem Missbrauch der Autorität des Originals versucht der Angreifer, schneller zu ranken als das Original oder parallel dazu Traffic abzugreifen.
- Monetarisierung: Sobald die gefälschte Seite Traffic erhält, wird dieser monetarisiert – meist durch aggressive Werbung, Affiliate-Links oder die Weiterleitung auf Phishing-Seiten und Malware-Downloader.
Arten von Page Jacking
- Content Scraping & Republishing: Das einfache Kopieren und Wieder-veröffentlichen von Artikeln auf Billig-Seiten („Content Farms“), um AdSense-Einnahmen zu generieren.
- Mirror Sites: Das Erstellen einer exakten 1:1-Kopie einer bekannten Seite, um Nutzer zur Eingabe sensibler Daten zu bewegen (Phishing).
- Keyword Stuffing auf geklauten Seiten: Der originale Text wird beibehalten, aber der Title-Tag und die Meta-Description werden manipuliert, um für andere, oft populärere Keywords zu ranken.
Auswirkungen
Erkennung und Gegenmaßnahmen
Für Website-Betreiber:
- Regelmäßige Überwachung: Nutzung von Tools wie Copyscape, Siteliner oder Google Alerts, um nach Kopien des eigenen Contents zu suchen.
- Canonical Tags: Einsatz des
rel="canonical"-Tags, um Suchmaschinen eindeutig mitzuteilen, welche URL die Originalquelle ist. - Rechtliche Schritte: Abmahnungen an den Betreiber der kopierenden Seite oder den Hosting-Provider (DMCA-Takedown-Notice).
- Google Search Console: Melden von gestohlenem Content direkt bei Google, damit die kopierte Seite aus dem Index entfernt wird.
Für Nutzer:
- URL prüfen: Immer die Adresszeile im Browser kontrollieren. Passt die Domain zum erwarteten Anbieter?
- Inhaltlicher Check: Wirkt die Seite unseriös, voller Werbung oder sind die Texte seltsam kontextfremd?
- HTTPS: Achten auf eine sichere Verbindung (Schloss-Symbol), obwohl auch Phishing-Seiten heute oft HTTPS nutzen.
Rechtliche Einordnung
Page Jacking verstößt in den meisten Ländern gegen das Urheberrecht (da Content ohne Genehmigung kopiert wird) und oft auch gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG). Im Falle von Phishing oder Malware-Verbreitung liegen zudem strafbare Handlungen vor (Computerbetrug, Datenhehlerei).
Fazit
Page Jacking ist eine Form des digitalen Diebstahls, die auf die Algorithmen von Suchmaschinen abzielt. Während Suchmaschinen wie Google durch Updates (wie das „Panda“-Update) immer besser darin werden, Originalcontent von Kopien zu unterscheiden und Letztere abzuwerten, bleibt es eine ständige Herausforderung für Content-Ersteller, ihre geistigen Eigentumsrechte zu schützen.

