Premium SMS
Premium SMS (auch Mehrwert-SMS oder Paid SMS) ist ein Dienst, bei dem der Versand einer SMS an eine spezielle Kurz- oder Servicenummer den Absender zusätzliche Kosten verursacht, die über den normalen SMS-Preis hinausgehen. Diese Mehrkosten werden direkt über die Mobilfunkrechnung oder das Prepaid-Guthaben des Nutzers abgerechnet. Der Diensteanbieter erhält einen Teil dieser Einnahmen, während der Mobilfunkbetreiber einen weiteren Teil als Gebühr für die Abwicklung einbehält.
Funktionsweise
- Aufforderung: Ein Nutzer wird aufgefordert, eine SMS an eine spezielle Nummer (z. B. eine Kurzwahl wie 12345 oder eine Servicenummer) zu senden, um an einem Gewinnspiel teilzunehmen, eine Spende zu tätigen, ein Voting abzugeben oder einen digitalen Inhalt (Klingelton, Wallpaper) zu kaufen.
- Versand: Der Nutzer sendet die SMS.
- Abrechnung: Der Mobilfunkanbieter erkennt die Zielnummer als Premium-Dienst, berechnet den festgelegten Mehrwertbetrag (z. B. 2,99 €) und bucht diesen vom Guthaben ab oder fügt ihn der Monatsrechnung hinzu.
- Leistung: Der Diensteanbieter erhält die Nachricht, verarbeitet sie (z. B. zählt die Stimme) und sendet oft eine Bestätigungs-SMS zurück.
Preiskategorien
In vielen Ländern (wie Deutschland) sind die Preise für Premium-SMS reguliert und in feste Preisklassen unterteilt, die am Preis der SMS erkennbar sind:
- Niedrige Preisklasse: Oft für Spenden oder einfache Votings (z. B. 0,50 € oder 1,00 €).
- Mittlere Preisklasse: Für Gewinnspiele oder Download-Codes (z. B. 2,99 € bis 4,99 €).
- Hohe Preisklasse: Für komplexe Dienstleistungen oder Abonnements (oft bis 9,99 € oder mehr pro Nachricht).
- Abonnements: Manche Dienste basieren auf wiederkehrenden Premium-SMS, bei denen der Nutzer regelmäßig (z. B. wöchentlich) belastet wird, bis er das Abo kündigt.
Typische Anwendungsfälle
- TV-Votings: Abstimmung bei Castingshows (z. B. „DSDS“, „Eurovision Song Contest“).
- Gewinnspiele: Teilnahme an Radio- oder Online-Gewinnspielen.
- Spenden: Schnelle Spendenaktionen für wohltätige Zwecke (z. B. „Sende ‚HILFE‘ an 1234, um 5 € zu spenden“).
- Digitale Güter: Kauf von Klingeltönen, Logos, Spielen oder Inhalten für Mobile Games (früher sehr verbreitet, heute seltener).
- Verifikation: In einigen Fällen zur Altersverifikation oder Identitätsbestätigung (wegen der Kostenhürde).
Risiken und Missbrauch
Premium-SMS waren in der Vergangenheit ein beliebtes Ziel für Betrüger:
- Abo-Fallen: Nutzer werden durch irreführende Werbung („Kostenlos testen!“) zur Sendung einer SMS verleitet, ohne zu merken, dass sie damit ein teures Abo abschließen. Die Kündigungsfristen waren oft unklar.
- WAP-Billing / Clickjacking: Ähnliche Prinzipien wurden über mobile Webseiten angewendet, wo ein unbeabsichtigter Klick eine Premium-SMS auslöste.
- Intransparenz: Oft war für Nutzer nicht sofort ersichtlich, wie hoch die Kosten genau waren.
Regulatorische Maßnahmen und Schutz
Aufgrund von Missbrauchsfällen haben Regulierungsbehörden (in Deutschland z. B. die Bundesnetzagentur) und Mobilfunkanbieter strenge Regeln eingeführt:
- Preisansage: Oft muss vor der Belastung eine kostenlose Bestätigungs-SMS mit dem genauen Preis und Hinweisen zum Widerruf gesendet werden.
- Doppelter Opt-in: Bei Abonnements muss die Anmeldung explizit bestätigt werden.
- Kündigungsmöglichkeit: Einfache Kündigungsmöglichkeiten (oft durch Senden eines bestimmten Begriffs wie „STOP“ an dieselbe Nummer) sind vorgeschrieben.
- Sperrung: Nutzer können bei ihrem Anbieter Premium-SMS-Dienste komplett sperren lassen (Drittanbietersperre), um unerwartete Kosten zu vermeiden.
Heutige Bedeutung
Mit dem Aufstieg von Smartphone-Apps, In-App-Käufen (über Apple App Store und Google Play Store) und mobilen Bezahldiensten (PayPal, Kreditkarte) hat die Bedeutung von Premium-SMS stark abgenommen. App-Stores bieten eine transparentere Abrechnung und einfachere Rückerstattungsmechanismen. Premium-SMS werden heute fast nur noch für TV-Votings, Spendenaktionen oder in Märkten ohne breite Kreditkartenverbreitung genutzt.

