PD-Software

 

Der Begriff PD-Software ist keine feststehende, standardisierte Branchenbezeichnung wie „SaaS“ oder „Open Source“. Je nach Kontext kann er unterschiedliche Bedeutungen haben. Die zwei wahrscheinlichsten Interpretationen im deutschen Sprachraum sind:

 
  1. Public-Domain-Software (Software ohne Urheberrechtsschutz).
  2. Produktdaten-Management-Software (oft im Zusammenhang mit PDM/PLM, wobei hier meist die Abkürzung PDM genutzt wird).
 

Da im Bereich Lizenzen und Recht oft nach „PD“ gefragt wird, liegt der Fokus dieser Erklärung auf Public-Domain-Software, mit einem kurzen Hinweis auf die zweite Bedeutung.

 

1. Public-Domain-Software (PD-Software)

Definition
PD-Software steht für Public-Domain-Software. Das sind Programme, an denen keine Urheberrechte mehr bestehen oder deren Urheber bewusst und unwiderruflich auf alle seine Rechte verzichtet hat. Sie gehören gewissermaßen der „Öffentlichkeit“ (Public Domain).

 

Rechtlicher Status

  • Kein Urheberrechtsschutz: Jeder darf die Software für jeden Zweck nutzen, kopieren, verändern, verkaufen oder in eigene Produkte integrieren, ohne den ursprünglichen Autor nennen zu müssen (obwohl es oft als höflich gilt).
  • Unterschied zu Open Source: Open-Source-Software (OSS) ist zwar frei verfügbar und der Quellcode ist einsehbar, unterliegt aber meist einer Lizenz (wie GPL oder MIT), die bestimmte Bedingungen stellt (z. B. Nennung des Autors oder Weitergabe unter gleicher Lizenz). PD-Software hat keine Lizenzbedingungen.
  • Entstehung:
    • Der Autor verzichtet explizit auf Rechte (z. B. durch die Lizenz CC0 – „Creative Commons Zero“, die oft als Ersatz für Public Domain genutzt wird, da ein vollständiger Rechtsverzicht in einigen Ländern wie Deutschland rechtlich schwierig ist).
    • Das Urheberrecht ist abgelaufen (bei sehr alter Software, was aufgrund der langen Schutzfristen selten vorkommt).
    • Die Software wurde von Regierungsbehörden in bestimmten Ländern (z. B. USA) erstellt, wo Werke der Bundesregierung automatisch gemeinfrei sind.
 

Vorteile

  • Maximale Freiheit: Keine rechtlichen Einschränkungen bei der Nutzung oder Weiterverarbeitung.
  • Kostenlos: In der Regel frei von Lizenzgebühren.
  • Einfache Integration: Kann problemlos in proprietäre (kostenpflichtige) Software eingebaut werden, ohne dass diese „infiziert“ wird (kein Copyleft-Effekt wie bei der GPL).
 

Risiken

  • Keine Haftung/Garantie: PD-Software wird meist „wie besehen“ (as is) bereitgestellt. Bei Fehlern oder Schäden haftet niemand.
  • Kein Support: Es gibt oft keinen offiziellen Ansprechpartner für Updates oder Hilfe.
  • Rechtssicherheit: In einigen Rechtsordnungen (z. B. Deutschland) ist ein vollständiger Verzicht auf das Urheberrecht („Public Domain“) juristisch nicht eindeutig möglich. Daher nutzen Autoren oft Lizenzen wie CC0 oder die Unlicense, die den Effekt der Public Domain so gut wie möglich rechtssicher simulieren.
 

Beispiele

  • Viele kleine Utilities und Bibliotheken auf Plattformen wie GitHub, die unter der „Unlicense“ oder „CC0“ stehen.
  • Alte Software, deren Hersteller nicht mehr existiert und die explizit freigegeben wurde (Abandonware ist nicht automatisch PD!).
  • Code-Snippets von Regierungsbehörden (z. B. NASA-Software).
 

2. Alternative Bedeutung: Produktdaten-Management (PDM)

Falls der Begriff im industriellen oder ingenieurtechnischen Kontext fiel, könnte ein Tippfehler oder eine Verkürzung von PDM-Software (Product Data Management) gemeint sein.

 
  • Funktion: Verwaltung aller technischen Daten und Dokumente, die bei der Entwicklung eines Produkts entstehen (CAD-Zeichnungen, Stücklisten, Materialdaten).
  • Ziel: Sicherstellen, dass alle Abteilungen (Konstruktion, Einkauf, Fertigung) mit den gleichen, aktuellen Daten arbeiten.
  • Beispiele: Siemens Teamcenter, Dassault Systèmes ENOVIA, PTC Windchill.
 

(Hinweis: Im weiteren Verlauf wird aufgrund der allgemeinen Begrifflichkeit primär die Public-Domain-Definition als die für ein Internetlexikon relevantere angesehen, da PDM meist spezifisch als PDM bezeichnet wird.)

 

Zusammenfassung & Abgrenzung

Merkmal
PD-Software (Public Domain)
Open Source (z. B. GPL/MIT)
Proprietäre Software
Urheberrecht
Keines / Verzicht
Beim Autor, Lizenz wird gewährt
Beim Hersteller, streng geschützt
Nutzung
Bedingungslos frei
Frei, aber lizenzgebunden
Nur gegen Gebühr/Lizenz
Weitergabe
Beliebig (auch verkauft)
Beliebig (oft nur unter gleicher Lizenz)
Verboten oder stark eingeschränkt
Quellcode
Oft offen, aber nicht Pflicht
Immer offen
Geheim
Beispiel-Lizenz
CC0, Unlicense
GPL, Apache, MIT
EULA (End User License Agreement)

Fazit

Wenn von PD-Software die Rede ist, handelt es sich meist um Public-Domain-Software – die „freieste“ Form von Software, die ohne jegliche Fessel genutzt werden kann. Im industriellen Umfeld sollte jedoch geprüft werden, ob nicht PDM-Software (Produktdatenmanagement) gemeint war.